Wie alles begann...
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Drei Fotos der ältesten Häuser Kluckens von 1911















Das 1911 erschienene Buch "Von einem unbekannten Volke in Deutschland" des Völkerkundlers Ernst Seefried-Gulgowski erregte in seiner Zeit Aufsehen in der Fachwelt. Mit ihm lag eine Volks- und Landeskunde der Kaschubei und deren Bewohner vor. Auch die vormaligen Lebakaschuben von Klucken wurden dabei wieder einmal diskutiert - und mit ihnen die alten Rauchhäuser im Dorf fotografiert, von denen es laut Gulgowski schon nur noch zwei originale Bauten gab.

Von zwei Familien wurde dieses Rauchhaus bewohnt: Auf der rechten Haushälfte ist  bereits ein nachträglich eingebauter Schornstein zu sehen. Auf der linken Haushälfte entweicht der Rauch noch ungehindert über das offene Schilfdach ins Freie. Wahrscheinlich handelt es sich um das für 1775 erstmals erwähnte Anwesen der Familie Reimann auf der Flurstelle Zickor (s. Wie alles begann...). Dort wohnten 1911 links die Familie von Wilhelm Reimann (1861-1945) und Johanne Sawallisch (1865-1933) und rechts die Familie von Wilhelm Kritsch (1849-1914) und Caroline Reimann (1851-1926). Gut 50 Jahre später brannte das Rauchhaus nieder. (s. Die Familie Reimann)

Doch wer wohnte in diesem zweiten Rauchhaus in Schmolsiner Klucken?

Lehrer Stodtmeister erschafft die "Kartoffelkaschubei"

Auch mit der Schule war das so eine Sache in Klucken: Seit 1717 gab es per Dekret des preußischen Königs zwar die Schulpflicht in Hinterpommern. Und 1738 wurde der "heimische Schullehrer Pollex" in Klucken erwähnt; 1747 dann Hans Heick als „junger geschickter Mann“ als Lehrer. Doch die Eignung bzw. Ausbildung der beiden Männer dürfte recht mangelhaft gewesen sein. Noch 1849 wurde nämlich der Schulunterricht in einer Stube bei einer Witwe auf der Flurstelle Gorni abgehalten. Vordem übernahm diese Aufgabe ein invalider Seemann namens Klück. Zwölf Taler Gehalt erhielt er dafür und schnitzte während des Unterrichts hölzerne Löffel und Holzpantoffel. Später unterwies ein Gabbey 23 Jahre lang die Dorfkinder. Zwischen 50 und 90 Kinder hatte er zu unterrichten. Von jedem Kind erhielt er 22 1/2 Groschen Schulgeld. Daneben schneiderte er und bebaute sein Büdnergrundstück. Auch der Bevölkerung mag der Sinn des Lernens nicht schlüssig gewesen bzw. schlicht zu teuer gewesen sein: 1830 kam es wegen der Erhebung von Schulgebühren gegenüber dem Schmolsiner Pastor Kybke zum Aufstand der Kaschuben. Der Pastor wurde abgesetzt, die Anführer der Rebellion erhielten Gefängnis- und Geldstrafen. Zu lesen ist: „Das Haupt der Anführer ertrinkt besoffen in der Lupow.“
Erst mit dem Bau der Dorfschule 1863 - s. Foto - änderten sich die Zustände in Klucken: Vorbei die Zeiten der Nebenerwerbslehrer. Der erste, seminaristisch ausgebildete Lehrer im Ort war Lehrer Fröhling. Übrigens hatte er bzw. hatten es seine Nachfolger nicht leicht. Denn von den 72 Schülern des Jahres 1875 trugen 40 (!) den Nachnamen Klück.
1886 übernahm Lehrer Friedrich Stodtmeister sein Amt in Klucken. Er begann mit der Kultivierung des Garten- und Ackerlandes und griff dabei Bestrebungen seines Vorgängers Fröhling und des Schmolsiner Pastors Neumeister auf: Der Sand wurde mit dem Auswurf aus den Torfgräben vermischt, Obstbäume und Beerengehölze angebaut, davon 100 Bäume im Schulgarten. Der Anbau von Rüben und Hafer, vor allem aber von Kartoffeln gestaltete sich nun ertragreicher. Der Name „Kartoffelkaschubei“ kam auf. Stodtmeisters Neuerungen nahmen die Kluckener gern auf. Sein Ruf wirkte noch Jahrzehnte im Ort nach, auch wenn er bereits vor dem ersten Weltkrieg aus dem Schuldienst schied.
1886 zählte Lehrer Stodtmeister 113 Schüler: 60 Knaben und 53 Mädchen. Eine Zahl, welche noch steigen sollte - die Schule war wieder zu klein, Räume mußten angemietet und ein zweiter Lehrer eingestellt werden. So hatte die Volksschule in Klucken 1932 dann auch vier Klassen: 3 Lehrer und 145 Schulkinder.


Die Wilddiebe von Klucken...

Große Sorge bereitete den Forstämtern am Lebasee die Neigung der Kluckener zur Wilderei. Gerhard Plath aus Zemmin erinnert sich: Durch die Moore am Lebasee ging eine Grenze, die das Interessengebiet der Förster und der Wilderer aus Klucken gewissermaßen stillschweigend absteckte. Nach dem ersten Weltkrieg sei ein junger Förster nach Zemmin gekommen, der trotz aller Warnungen von der Absprache nichts wissen wollte und das Gebiet der Wilderer mehrmals betrat, ohne das ihm etwas passierte. Im Wirtshaus prahlte er, so müsse man den Wilderern zeigen, wer der Herr im Revier sei. Daraufhin überfielen ihn bei einem erneuten Ritt in das Moor vermummte Gestalten, nahmen ihm Gewehr und Kleidung ab, verprügelten ihn mit Weidenstöcken und warfen ihn in einen Moorgraben. Heimlich und verschämt schlich sich der nackte Förster nach Zemmin. Fortan soll er nie wieder das Zemminer Moor betreten haben.
Nicht immer ging es so gut aus: 1927 wurde ein Förster durch Wilderer aus Klucken erschossen. Ein Verdächtigter nahm die Schuld alleinig auf sich, wurde verurteilt und verbüßte bis 1942 seine Haftstrafe. 1942 sorgten die Kluckener Wilderer erneut für Aufsehen: Ein Forstangestellter kam bei ihrem verbotenen Treiben ums Leben. Einer der tatverdächtigen Wilderer aus Klucken wurde zum Tod verurteilt.
Christian Graf von Krockow dazu: „Die Kluckener sind bitterarme Leute. Der Moorboden gibt außer Torf und dürftiger Weide fürs Vieh kaum etwas her, nicht einmal Kartoffeln, weil das Grundwasser gleich unter der Oberfläche steht. Die Fische... in Kiepen auf dem Rücken über schmale Pfade in die umliegenden Dörfer getragen, bringen sie wenig ein, weil die Leute dort selbst kaum Geld haben und mit dem Pfennig geizen. Was bleibt, ist das Wildern. Rehwild gibt es mehr als genug, und die Wildenten nisten am See und in den Moorkuhlen zu Tausenden. Mit geschwärzten Gesichtern, von den Nebelschwaden ihres Moores gedeckt, brechen die Kluckener auf, nicht einzeln, sondern in Gruppen, so dass sie bei plötzlichen Begegnungen stets in der Überzahl sind.“ - Allerdings: Als Schwester Libusa 1944 in Rowen heiratet, darf der aus Klucken stammende Hofmeister seine "verwandtschaftlichen Beziehungen" spielen lassen, damit Wildbret auf die Hochzeitstafel kommt. Wo das wohl herkam?

Torfgewinnung in Klucken: Der Torf wurde als Brennstoff für die Herde und Öfen verwendet, später auch als Streu in den Ställen sowie als Düngemittel für den mageren Acker. Die Torflagen im Lebamoor rund um Klucken waren zwischen einem und zehn Meter stark. Die Torfernte begann Anfang Mai und dauerte rund zwei Wochen. Dabei wurden Spaten und Hacken sowie spezielle Werkzeuge für das Ausschneiden der Torfziegel verwendet. Diese wurden zuerst auf den Wiesen getrocknet, später per Wagen auf die Höfe gebracht und unter dem Dachfuss gestapelt. Die Arbeit im Torf nannten die Einwohner "Schwarze Hochzeit". Im Museum von Kluki wird diese alljährlich begangen: www.webarchiv-server.de/pin/archiv02/2102ob13.htm


Aus der Gemeindeentwicklung Kluckens

Auch ein reges Vereinsleben gehörte zu Klucken: hier die Sangesbrüder des Kriegervereins.



Letztmalig findet 1832 bzw. 1835 in Schmolsin ein Gottesdienst in kaschubischer Sprache statt. Auch die Kaschuben in Schmolsiner Klucken werden weniger...

1837 wechseln die Selesener Klucken vom Kirchspiel Groß Garde zu dem von Schmolsin. Einige Jahre darauf hören die kaschubischen Gottesdienste auch in Groß Garde auf.

Als 1848 für den Ausbau der Straße Chausseebeitrag fällig wird, weigern sich die Schmolsiner und Selesener Klucken, diesen zu begleichen. Daraufhin rückt Militär in Klucken ein und pfändet 74 Schafe und Schweine. Am Ende müssen die Kluckener statt 13 Taler nun Beitreibungskosten von 126 Taler aufbringen.

Letztmalig findet 1885 in der Glowitzer Kirche ein Gottesdienst in der kaschubischen Sprache - u. a. für die Bewohner von Zemminer Klucken - statt.

In Holzkathen wird am 1. 5. 1893 eine Postagentur eröffnet. Zum  Landbestellbezirk gehören u. a. die Schmolsiner und Selesener Klucken.

Bis um 1900 erbauen die Kluckener ihre Rauchhäuser aus Holz, Lehm und Reet. „Diese Leute lebten und heirateten in der Regel unter sich, mochten den Zuzug von Fremden nicht und gestatteten diesen in Gemeindeangelegenheiten keine Rechtsgleichheit.... Zu den Eigenheiten kam die gemeinsame Viehweide unter einem Hirten auf einer Art Allmende“, ist zu lesen.

Nach 1918 kommt es im Zuge der Auflösung der bisherigen Aufteilung des Landkreises Stolp in Dominial- und Ritterdörfer zur Bildung der Gemeinde Klucken aus den drei "Klucken". 1925 werden in der Gemeinde Klucken – aus Schmolsiner, Selesener und Zemminer Klucken bestehend – 97 Wohnhäuser gezählt.

1926/1927 „ist eine feste Steinstraße von Schmolsin aus über Holzkathen und Wilhelmshof durch das Moor nach Klucken gebaut worden.“ Einige Jahre zuvor berichtet Friedrich Pallas von zwei Wanderungen nach Klucken: Von Schmolsin aus und hinter Wilhelmshof „auf dem eigentlichen Moorweg, der durch den wirren Moorwald führt. Ebereschen rahmen den sumpfigen Weg ein... auf der sandigen Dorfstraße von Klucken (mit einer) schmalen Birkenallee, die den Fahrweg begleitet.“ Noch arger der Weg von Glowitz und Schorin über Selesener Klucken nach Schmolsiner Klucken: Hinter der Brücke über den Kluckenbach „reicht das Wasser bis an die Knie, manchmal steht man auch unversehens tiefer drin.“

Einen besonderen Stellenwert hatte im Winter die Eisfischerei auf dem Leba-See. Die großen und entsprechend teuren Spezialnetze befanden sich im Besitz mehrerer Anteilseigner. Sie standen daher sozusagen im Gemeineigentum der überwiegend aus Giesebitz, Speck, Klucken und Lebafelde stammenden Fischer. Die vier bis sechs Stunden dauernden einzelnen Fischzüge erbrachten unterschiedliche Fangmenge, wobei es sich vor allem um Zander, Blei, Hecht, Aal, Brassen, Muränen, seltener um Lachs handelte. So fingen am 22. 2. 1929 die Kluckener Fischer 166 Zentner, die von Fuchsberg am 4.3. 1929 85 Zentner, während sich die Kluckener am selben Tage an der selben Stelle noch einmal 25 Zentner herausholten. Am 18. 3. 1929 wurden auf dem Leba-See insgesamt 45 Zentner Fische gefangen

1937 wird Klucken zusammen mit Holzkathen elektrifiziert. Den Strom liefert das Wasserkraftwerk an der Lupow in Schmolsin. Die Ära der Petroleumlampen in den Häusern geht zu Ende.

1939 gibt es in der Gemeinde Klucken 117 landwirtschaftliche Betriebe: 56 mit 0,5 bis unter 5 ha, 54 mit 5 bis unter 10 ha, 7 mit 10 bis unter 20 ha. Bei dem Wiesenreichtum wird eine relativ hohe Rindviehwirtschaft betrieben (115,3 Stück pro ha). Der durchschnittliche Grundsteuerreinertrag auf ein Hektar liegt mit 2,93 RM erheblich unter dem Kreisdurchschnitt (5,95 RM).
Im selben Jahr kommt es unweit von Zemminer Klucken im Lebamoor zum Absturz eines deutschen Flugzeuges - http://www.heimat-genealogie-stolp.de/index.php/walter-erkerflugunfaellebergungen.html

An nichtlandwirtschaftlichen Gewerbebetrieben gibt es 1941/42 in Klucken nur den Gasthof Albrecht und die Gemischtwarenhandlung Taube.


Von Prawies und Mantelix...


Aus den Gehöften auf den neun Flurstellen mit ihren kaschubischen Namen Gorni, Grzendowi, Dambowi, Lugowi, Piaskowi, Jach, Nowidomske, Zickor und Pawelke enstand Schmolsiner Klucken. Jeder Eigentümer einer dieser Flurstellen war Fischer und hatte die selben Rechte zum Fischen auf dem Lebasee. Gemeinsam gingen die Kluckener auf Fischfang, hatten teils gemeinsamen Besitz an Booten und Netzen, waren gleichberechtigte Netzteilhalber. Ein Zustand, der bis 1945 fortbestand. Regelmäßig führten die Fischer mehrtägige Züge durch, zumeist auf dem Lebasee, mitunter aber auch auf der anderen Seite der Nehrung, auf der Ostsee. Dann nächtigten sie in den Fischerhütten und verarbeiteten dort ihren Fang. Das Foto zeigt sie vor der Hütte auf Bollenz - aufgenommen 1919.

Scheinbar eine Idylle - ein Fischer wohl aus dem Klucken benachbarten Fuchsberg. Doch zum großen Eisfischen ging es in Klucken vereint hinaus auf den Lebasee. Die Netzteilhaber - Prawies genannt - bestimmten ihre Gehilfen, die Mantelix, wie es Ende des 19. Jahrhunderts der Wissenschaftler Franz Tetzner beschreibt. Geteilt wurde der Fang - jeder Prawie erhielt den selben Teil, mit wesentlich weniger gingen die Mantelix nach Hause.


Enkelin kehrt in die Heimat ihrer Großmutter zurück


Aufgesucht hat die Nachfahrin einer Auswanderin die Heimat ihrer Großmutter. Für Sandra Anderson, Jahrgang 1939, ging damit ein Lebenstraum in Erfüllung, so berichtet sie: Ihre Großmutter Augusta Maria Theresa Kirk (1871-1962) reiste 1891 ganz allein von Bremen aus nach Amerika. Enkelin Sandra hat der Großmutter oft gelauscht und kann so von deren nicht immer leichten Leben in den USA berichten: An Bord der „Karlsruhe“ kam sie in Baltimore an. Augusta arbeitete auf dem Schiff als Köchin die teure Überfahrt ab. In St. Louis fand sie Arbeit auf einer Gemüsefarm. Am großen Heimweh zerbrach sie fast. Da lernte sie den Farmarbeiter Johann Camenzind, einen Auswanderer aus der Schweiz, kennen – sie heirateten. Vom Ersparten kaufte sich das junge Paar eine eigene kleine Farm im Staat Missouri. Doch diese zu bewirtschaften, schien nicht leicht gewesen zu sein: Mehrmals zogen die beiden um und betrieben andere Farmen. Und auch von den acht Kindern der Augusta überlebten vier nicht das Kleinstkindalter. Sandra Anderson jedenfalls war und ist es wichtig, die Heimat ihrer Oma und damit auch ihre eigenen Wurzeln kennen zu lernen, wie sie betont.


In der linken Hälfte des im Hintergrund zu sehenden Wohnhauses in Selesener Klucken (s. o.) wurde 1871 Augusta Maria Theresa Kirk geboren. Rechts wohnte die verwandte Familie Ruch. Cousin Albert Hermann Ruch (1869-1962) gelangte nach 1945 (s. im Folgenden) in die USA. Auf dem Grundstück lebte u. a. auch dessen Bruder August "Sergeant" Ruch (1876-1932) mit Ehefrau Auguste Kirk (1875-1948) und Kindern.


Augusta Maria Theresa Kirk (r.) in einer 1895 angefertigten Aufnahme mit einer Freundin in Chicago.


Die Jugendfreundin konnte nicht mehr heimkehren...

Günter "Nutzel" Reimann, 1932 in Schmolsiner Klucken geboren, erinnert sich, dass die Jugendfreundin seines Vaters Richard "Zeik´sen Richard" Reimann (1893-1968)  - Emma Gawer (1895-wohl 1993) - mit ihren Eltern Hermann Gawer (1868-um 1949) und Caroline Pollex (1867-nach 1947) aus dem heimatlichen Klucken auswanderte. Jedoch, ihren daheim gebliebenen Freund, den vergaß sie auch in der Ferne nicht, schickte gar noch einige Dollars an Hilfe nach 1950 in die nunmehr polnisch gewordene Heimat.
Günters Schwester Anna "Zeik´sen Anna" Reimann, geb. 1919, weiß dazu noch zu berichten, dass Vaters Jugendfreundin Emma vor 1939 zu Besuch nach Pommern kam: Sie wollte ihre alte Heimat noch einmal sehen, brachte ihren Ehemann Charles Barson, im Dorf nur Charly gerufen, und Tochter Florence mit, die zum Schwarm der jungen Männer wurde. Und Emma besuchte ihre Eltern in Klucken. Denn die, vor allem ihr Vater, wurden in den USA nicht heimisch und kehrten in ihre Heimat zurück. Emma schien hingegen in den USA eine gesicherte Existenz gefunden zu haben: Nicht nur, dass sie sich eine damals nicht gerade übliche Reise nach Europa leisten konnte, auch ihre Mutter besuchte sie mehrmals in Amerika. So geelangte sie am 16. 11. 1924 an Bord der „Deutschland“ in die USA, um für sechs Monate bei Emma und ihrer Familie in Chicago zu weilen. (Die entsprechenden Schiffspapiere haben sich erhalten und sind in der Datenbank der Auswanderer www.ellisislands.com zu finden.) Aber, die „große Politik“ holte die Gawers ein: Zum wiederholten Besuch in den USA, überraschte dort Emmas Mutter der Kriegsausbruch von 1939, eine Rückkehr nach Deutschland zum Mann wurde unmöglich, beide sahen sich nie wieder und starben durch den Atlantik getrennt voneinander: sie in Amerika, er - aus der Heimat vertrieben - im thüringischen Erfurt.


Im Hoffen auf das gute Amerika...

Am 15. Mai 1923 betrat Reinhold Schimanke (1903-1971) aus Schmolsiner Klucken mit Ellis Island erstmals US-amerikanischen Boden und damit seine neue Heimat. Ebenso wie ihr Bruder, gelangten auch August (1887-um 1979), Leo (1907-1987) und Otto (1899-1972) über den „großen Teich“ in das damals hoch gelobte Amerika.

Was mag sie bewogen haben, ihre Heimat zu verlassen? War es der Tod der Eltern 1914 bzw. 1916? War es der Umstand, dass die Brüder Hermann "Tissen Hermann" (1885-nach 1958) und Bernhard (1905-nach 1958) auf dem elterlichen Hof verblieben, dass es dort räumlich und einkommensmäßig immer enger wurde? War es die wirtschaftlich instabile Situation nach dem ersten Weltkrieg, mit dem Wegbruch des Absatzmarktes Danzig-Westpreußen, waren es die Turbulenzen der Inflation? Alles Beweggründe, die in ganz Deutschland ab 1918 nochmals Tausende Menschen zum Verlassen ihrer Heimat brachte, in der Hoffnung, sich in den USA eine neue, glückliche Zukunft aufbauen zu können.

Seinen Cousins machte es Wilhem Pollex (1891-1975) mit Ehefrau Hermine Klick (1894-um1930) und den Kindern Gerda (1920-2003), Fritz "Freddy" (1922-1994) und Wilhelm "Bill", geb. 1925 nach: 1929 wanderte die Familie in die USA aus, lebte erst in der Bronx von New York, gelangte später ins nahe Fishkill. Dorthin fanden auch die Brüder Schimanke, die nun wie in ihrer alten Heimat wieder die Nachbarn der Pollex waren.

Wer neugierig auf die eigenen Vorfahren ist: Über www.ellisislandrecord.com ist ein Verzeichnis der zwischen 1892 und 1924 in die USA eingereisten Europäer einsehbar.

Familie wieder vereint in Amerika...

Albert Hermann Ruch (1869-1962) aus Selesener Klucken (s. auch obiges Bild seines Elternhauses) lebte lange in Fuchsberg. Nach seiner Vetreibung aus der Heimat gelangte er 1950 zu seiner Tochter Maria (1894-1984) in den USA, lebte und verstarb auch bei deren Familie. Mit Albert gelangten auch dessen Söhne Albert August Ruch (1907-1965) und Richard Hermann Ruch (1899-1977) in die USA. Er sei sehr dünn, ausgezehrt und zerbrechlich gewesen, wirkte älter als er tatsächlich war. Das lag wohl an den Erlebnissen der Nachkriegszeit im nun polnischen Kluki, so erinnert sich Sandra Anderson - die Enkelin von Alberts Cousine Augusta Kirk (1871-1962).




"Umsiedlerlager" Hoyerswerda - Zwischenstation für viele Kluckener

"Erinnern - Gedenken - Mahnen", so hieß eine Ausstellung am Standort des vormaligen Kriegsgefangenen- und späteren Durchgangslagers für die aus dem deutschen Osten Vertriebenen in Elsterhorst/Hoyerswerda, die dort bis Anfang Februar 2008 zu sehen war - s. http://elsterhorst.de/

Anfang März 1945 flohen die Kluckener vor der anrückenden sowjetischen Armee gen Osten zur See - und wurden von dieser eingeholt, nach Klucken zurückgeschickt. Kurz darauf mußten sich die Bewohner des Dorfes nach Grapitz begeben - angeblich, weil Klucken in der Kampflinie lag. Indes wurden die Gehöfte der Kluckener in deren Abwesenheit durch die sowjetischen Truppen gründlich geplündert. 1946 kamen die Polen in Klucken an - die Vertreibung der Bevölkerung begann: 1946/47 wurden über 300 Bewohner und damit die Hälfte der Dorfbewohner aus deren Heimat ausgewiesen. Viele von diesen gelangten in das sogenannte Umsiedlerlager Hoyerswerda. (1946 wurden 85.000 Personen in diesem Lager aufgenommen und von hier aus in die ihnen zugewiesenen neuen Wohnorte entlassen. 1947 waren es noch einmal 73.500 aus den deutschen Ostgebieten Ausgewiesene.)

Am 29. September 1947 wurde die knapp fünfjährige Giesela Kirk im Lager von Hoyerswerda aufgenommen. Ihr Umsiedler-Paß trägt die Nummer 34.947 und daß Giesela Kirk "ausgewiesen aus" Klucken wurde. Der Paß enthält den Vermerk, daß die Quarantäne nach 14 Tagen ordnungsgemäß beendet wurde und Giesela Kirks Gesundheitszustand "o. B." sei, sie damit "marschfähig" und "transportfähig" ist. Am 12. Oktober 1947 wurde das Mädchen aus dem Lager entlassen und erhielt dazu "Transportverpflegung für zwei Tage". Das bedeutete, daß Giesela Kirk mit ihren Eltern Fritz "Johann´ken Gendarm" Kirk und Annemarie Reimann wie andere Kluckener auch in ein Dorf bei Löbau geschickt wurde. In der bergigen Oberlausitz sollten die Bewohner der pommerschen Küstenregion fortan siedeln. Das hatte "System": So wurden z. B. "im Gegenzug" die vertriebenen Karpaten- und Sudetendeutschen oft ins Mecklenburgische geschickt. (Zu den Eltern von Giesela Kirk: Vater Fritz Kirk war der Gendarm von Klucken und der Pflegesohn des Gastwirts Wilhelm Dargusch und seiner Frau Erna Manzek. Mutter Annemarie Reimann entstammt der Beziehung von Otto Schimanke und Emma "Johann´kens Emma" Reimann.)


Kriegsschicksal nach vielen Jahrzehnten geklärt...

Eines von unsäglich vielen Schicksalen, welches sich endgültig erst durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (http://www.volksbund.de) aufklärte: Lange war das Schicksal des 1919 in Schmolsiner Klucken geborenen Max Reimann ungeklärt. Bekannt nur, daß er 1943 im Osten gefallen war. Die nun dem Volksbund zur Verfügung stehenden Akten brachten es ans Licht: Der Obergefreite Max Reimann fiel am 1. Juli 1943 im Kessel von Demjansk. Auf dem Sammelfriedhof in Korpowo ist heute sein Grab in Block 19, Reihe 35, Grab 1471 zu finden. Für Witwe Wanda kam diese Nachricht zu spät, sie verstarb 1997. Aus Marienwerder, bis 1939 im sogenannten "Korridor" liegend, stammte sie. Ihr Familienname war Krolikowski. Doch das war im Dritten Reich zu "slawisch", weshalb ihre Mutter daraus Kroll machte. Mit ihrem Max lebte die junge Braut auch weiterhin in Marienwerder. Dort erreichte sie auch die Nachricht vom Tod ihres Mannes und dort wurde auch Tochter Renate geboren, die ihren Vater nie sah. Sie erhielt nun die Nachricht über das Grab ihres unbekannten Vaters...
Das Foto stammt aus glücklicheren Zeiten: Max Reimann mit seiner Wanda zu Besuch auf dem elterlichen Hof auf der Kluckener Flurstelle Gorni, damals nur noch als "Berg" bekannt. Daraus ergab sich auch der Name für den auf dem Foto zu sehenden Vater von Max: Heinrich "Bergheinrich" Reimann (1887-1975), der Urgroßvater des Autors.


Erinnerungen an das nach 1945 polnische Klucken-Kluki

An seine in Klucken/Kluki verbrachte Kindheit und Jugend erinnert sich Kazimierz Woronko, geb. 1952 als Sohn von Irmgard Barnow (1925-2005) und Kazimierz Woronko (1919-1986) bzw. Enkel von Otto "Schleicher" Barnow (1893-1982) und Martha Klick (1902-1986) - s. nebenstehendes Foto von 1930 - mit reichlich Fotos: http://www.woronko.de Am 27. Mai 1975 reiste Kazimierz Woronko mit seinen Eltern und Geschwistern in die Bundesrepublik aus. Zurück in Klucken/Kluki verblieb nur eine Handvoll Deutscher.