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Bauernmuseum im alten Wittbeck geplant:
Museums-Kustos Pani Gabryela: „Wir warten auf das Geld!“ 










Zwischen 60.000 und 90.000 Besucher zählt jährlich das Dorfmuseum der Slowinzen in Kluki (Klucken). Diese Zahl, so Kustos Gabryela Wiodorska-Koszutowska, schwanke – je nach Wirtschafts- und Wetterlage. Um eben diese beiden Faktoren sah es auch 2011 und auch in Polen nicht so „rosig“ aus. Und um welchen der beiden Faktoren es bedenklicher stand, das ist in diesem Fall ausnahmsweise einmal eine unerhebliche Auffassungssache.
So ist Optimismus angesagt, auch was die Zukunft des Dorfmuseums als Zweigstelle des Mittelpommern-Museums von Stolp (Slupsk) betrifft, als auch die Pläne in der Stolper Zentrale. Denn wenn auch im einstigen Fischerdorf Klucken „eher nichts mehr aufgebaut“ werden soll, ist dafür doch auf etwa halben Weg zwischen den Museen von Stolp und Klucken eine weitere Anlaufstelle für Geschichts- und Kulturtouristen in Planung: Im alten Wittbeck, dem heutigen Czysta, soll ein Freilichtmuseum entstehen. Im Gegensatz zu dem von Klucken, wo das Leben der Slowinzen bzw. das der Fischer am Lebasee dargestellt wird, soll die geplante neue Einrichtung das bäuerliche Leben präsentieren. Reichlich historische Baustoffe lagern u. a. schon in Klucken – so eine demontierte Windmühle –, das Grundstück für das neue Museum ist erworben, ergo: Es könnte losgehen. Könnte, denn in der Museumsdirektion in Stolp ist das „Prinzip Hoffnung“ angesagt: einmal wieder, schon wieder oder richtigerweise wie immer. Denn auch östlich der Oder sitzt das Geld für Kultur nicht gerade locker in den Kassen und manch Baumaßnahme z. B. im Slowinzen-Museum sah der langjährige Gast gewissermaßen im Zeitlupen-Tempo wachsen. Wie den Gasthof, welcher 2010 seine Pforten öffnete, nachdem die Fundamentsteine bereits in den ersten 1990er Jahren gesetzt waren.  
Und so kann Pani Gabryela, befragt nach dem Baubeginn für das Bauernmuseum von Czysta auch nur Schultern zuckend und verlegen lächelnd sagen: „Wir warten auf das Geld!“ Doch eben jenes sitzt wie bereis gesagt nicht gerade „locker“ – weder im Marschallamt der Wojewodschaft Pomorskie (Pommern) als Träger des Mittelpommern-Museums von Slupsk und auch nicht bei der EU, welche in den letzten Jahren schon so manches Vorhaben der polnischen Museologen entscheidend beförderte. Die Frau wäre schon froh, wenn sie ihren ausländischen Gästen – das Gros stellen dabei jene aus Deutschland – aktuelle Prospekte in Deutsch und Englisch anbieten könnte. Und auch die informative Internet-Seite des Slowinzen-Museum (http://www.muzeumkluki.pl/) sollte eigentlich schon in diesem Sommer auch auf Deutsch aufrufbar sein...

Impressionen vom Saison-Ausklang 2011

Der große Ansturm auf das Slowinzen-Museum von Kluki ist (vorerst) bewältigt: Am 18. September wurde mit einem Fest der Saison-Ausklang 2011 begangen.


















Schon am Tag zuvor waren die "Fischweiber" Maryla Czechowska, Jola Langa, Justyna Drabkowska (wohnt im vormaligen Haus von Ewald Reimann), Jasia Welnicka (lebt hinter dem einstigen Rutz-Haus) und Irena Langa (v. l. n. r.) mit dem Entschuppen, Ausnehmen und Portionieren der Fische aus dem Garder See für die Fischsuppe beschäftigt.

Derweil wurde bei "Hautes" in der Küche Quark hergestellt...




























...und auf dem alten Kohleherd Getreidekaffee geröstet und gemahlen - Malgorzata Walerowicz bewies, um mit den Versen von Millöckers "Bettelstudent" zu sprechen, dabei wieder einmal mehr unübersehbar: "Doch all die Schönheit schnell verbleicht, wenn man dagegen hält die Polin - Der Polin Reiz bleibt unerreicht!"































Im Haus der Familie Kaitschick aus dem heute verschwundenen Selesener Klucken kochte Zofia Fastacz Klituplume, eine Klütersuppe...
































...während in der anderen Küche des Doppelhauses Stanislaw Kopiniak als Schlachter mit seinen Helfern Kamil Kopiniak und Justyna Fastacz am Wurstkessel werkelte. Es hat wirklich alles sehr lecker gerochen und geschmeckt!




Es wurde zudem gebuttert und Brot gebacken, es wurden Netze repariert und es wurde geseilert,... Und rund um solcherart lebendiger Präsentation alter Haus- und Handwerkstechniken wurde natürlich auch rege getanzt.

















Beim Fest unüberseh- und vor allem unüberhörbar der Dreschkasten der Standardwerke W. Schulze in Hannover mit einem Motor der Garbe, Lohmeyer & Co. AG aus den frühen 1940er Jahren, bedient von Roman Gorecki am Boden, Daniel Wilgos als Zureicher und Bogdan Wewnicki als Kaffjunge.

Klucken wird neu "aufgeforstet"















Pani Wiesia Rugala vom Museum strahlt und verweist auf den Plan des fertig gestellten Dorfmuseums der Slowinzen von Kluki: Die Gehöfte der Anlage sollen nun nur noch „aufgeforstet“ werden – sprich neue Obstbäume und Gehölze sollen gepflanzt werden und Kluki noch grüner erscheinen lassen.

Dorfoberhaupt lädt zum Nächtigen ein





















Die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Kluki, Barbara Chociniec, bewohnt eine Hälfte des einstigen Hauses von Wilhelm Hermann August Klück, genannt „Pitzowen-Wilhelm“ – direkt am Weg nach Pawelke bzw. den Selesener und Zemminer Klucken. Das Schild vor dem modernisierten Wohngebäude verheißt ganzjährig Fremdenzimmer im Dachgeschoß und auf dem weitläufigen Hofgelände Campingurlaub im Sommer.
Wo man in Kluki und dessen Umland übernachten kann, das finden Sie auch auf Kontakte für Neugierige

Ein Internet-Cafe bei "Dargusch"
















Dorota Kubiak
– sie wohnt im vormaligen Haus von Otto Proy – leitet das örtliche Kulturzentrum, im Saal der alten Dorfgaststätte untergebracht. Darin befinden sich eine Außenstelle der Bibliothek von Smoldzino (Schmolsin), ein Freizeitraum mit Internet, Fernsehen und Computerspielen, im eigentlichen Saal diverse Spiel- und Sportangebote für Kinder und Jugendliche und vor dem Saal ein kleiner Spielplatz. Zudem dient das Kulturzentrum von Kluki u. a. als wöchentlicher Treff der Dorffrauen.  


Pommersche Keramik "Made in Kluki"










„Pommersche Keramik“ nach historischen Vorbildern aus dem Museum von Slupsk (Stolp) fertigt Andrzej Cybulski. Seit zehn Jahren arbeitet der Mann als Keramiker. Seit 2011 hat er seine eigene kleine Schauwerkstatt mit kleinem Verkaufsraum in Kluki, auf dem vormaligen Grundstück von August Eick, also gleich eingangs des Ortes.

Kaschubische "Pferde-Schuhe"?






Piotr Lomkowski
(gesprochen Womkowski) wohnt auf dem alten Grundstück von Wilhelm Emil Klick, genannt „Schegus“. Die Tafel vor der Hofeinfahrt wirbt für „Sprzedaz butow dla koni (klumpy)“, für den Verkauf von „Schuhen für Pferde“, den vorgeblich kaschubischen Klumpy. Auf den diversen Aktionstagen im Museum ist Lomkowski mit seiner Handwerksarbeit zu sehen.

Die (wirklich) letzte Deutsche in Klucken

Es gibt doch noch eine Deutsche in Klucken/Kluki: Sie stammt zwar nicht aus dem Ort selbst, doch wurde sie nur unweit von ihm geboren. Am 8. September 1923 erblickte Irene Tschirr in dem kleinen Dorf Schlochow bei Schmolsin das Licht der Welt. Ihre Eltern besaßen dort eine Wirtschaft. Tochter Irene weiß noch viel von der harten Arbeit auf dem Acker zu berichten; vor allem aber vom Großvater, der seine älteste Enkelin mit gewisser Strenge, doch dafür lebenslang nachwirkend erzog.
Als die Eltern und ihre beiden Schwestern 1947 aus der Heimat vertrieben wurden, blieb Irene Tschirr: Sie hatte ihre „große Liebe“ in Zygmund gefunden, den Feuerwehrmann aus Schlesien, nahm die polnische Staatsbürgerschaft an. 1948 wurde geheiratet und die Bauerstochter Irene Tschirr heißt seitdem Irene Zajaczkowska. Das Paar verzog in die Heimat von Zygmund, der es dort zum Feuerwehrhauptmann eines Landkreises brachte.
Aus gesundheitlichen Gründen kehrte das Paar an die See zurück und bezog 1973 ein Wohnhaus in dem von seinen Einwohnern gerade fast leer gezogenen Klucken – wohl das so genannte „Reffke-Haus“. Dort lebt die Witwe noch heute, weiß lebendig von „Pan Zygmund“ zu erzählen, der keine Bärte mochte, sich täglich rasierte, Wert auf täglich ein frisches Hemd legte und immer im dazu farblich abgestimmten Anzug das Haus verließ. Und sie freut sich auf baldigen Zuwachs im Haus und auf dem Hof – auf einen neuen Kater. Doch ob der neue Mäusejäger auch Bonifatius heißen soll, wie sein Vorgänger, der vor gut 60 Jahren von Schlochow mit ins Schlesische verzog, das weiß die letzte Deutsche von Klucken noch nicht zu sagen...

Ein Sommer bei Ewa...


















Mit der Aufschrift „Let nis kowy domek u Ewy“ wirbt Ewa Lasota für ihr „Sommerhaus bei Ewa“ – einem Komfort-Wohnwagen für mindestens zwei Erwachsene und zwei Kinder auf ihrem Hof, dem vormaligen Grundstück von Emil Schwanke. Mehr zum "Sommer bei Ewa" finden Sie auf: http://de.domekuewy.dobrynocleg.pl/


Neuer Dorfladen in Klucken eröffnet

Der jahrelange Zustand hat ein Ende: Nachdem mit dem staatlichen Spolem-Laden das einzige Geschäft im Dorf schloß, betreibt Mariola Jagiello nunmehr ihren eigenen kleinen Kaufmannsladen in ihrem Wohnhaus, dem vormalig Eick´schen Anwesen am Gemeindeberg. Klein, aber erstaunlich umfangreich das Angebot an Lebensmitteln und Haushaltsartikeln. Und die Öffnungszeiten des „Sklep u Marioli“ sind wie aller Orten im vermeintlich erzkatholischen Polen sehr moderat und freundlich für den Verbraucher: werktags von 7-11 und 15-19 Uhr, sonnabends von 7-16 Uhr und sonntags von11-14 Uhr!
Bei ihr gibt es indes nichts "Hochprozentiges" – dazu hat sie keine Konzession. Die durstigen Dorfbewohner müssen dazu ins alte Wilhelmshof (Lokciowe, gesprochen Wokschiowe) pilgern oder aber bei „Dargusch“ im neuen Krug einkehren.


Ein neuer Ort der Gesellig- und Gastlichkeit













Mit dem Gasthof "Karczma u Dargoscha" hat Kluki eine neue Attraktion gewonnen: Dabei bietet der Name Grund zum Schmunzeln. Denn alles lag an einer Namensunsicherheit in der Verwaltung des Slowinzen-Museums – und seitdem heißt dessen neuer Gasthof eben „Karczma u Dargoscha“. Das sollte an den vermeintlich letzten Gastwirt in dem Fischerdorf erinnern, bei dem es dereinst „hoch“ herging. Doch dieser Kneiper hieß Wilhelm Dargusch, so dass die neue Stätte der Gastlichkeit auch „U Darguscha“, sprich „Bei Dargusch“ heißen müsste.
Sei es drum, Dargusch war auch nicht der letzte Gastwirt zu deutscher Zeit. Das war August Albrecht, genannt "Beetzen". Dieser pachtete wohl 1938 den Gasthof von Wilhelm Dargusch. Und dass es dann bei "Beetzen Albrecht" nicht mehr ganz so gesellig zu ging, daran hatten die neuen Betreiber am wenigsten Schuld: Im Krieg war halt auch der Alkohol rationiert und die trinkfreudigen Kluckener Männer waren zumeist fern ihrer Heimat, irgendwo zwischen Atlantik, Spitzbergen, Moskau und Mittelmeer...
Gesellig- und Gastlichkeit wird jedenfalls im neuen "Dorfkrug" groß geschrieben. Dafür sorgen die freundlichen Mitarbeiter um Pächter Jan Buchwald.
Weitere Informationen und Fotos zum Gasthof finden Sie hier: Kontakte für Neugierige
Auf Deutsch gibt es zudem eine informative und gut gestaltete Internetseite: http://www.udargoscha.pl/deutsch/index.php


Die "Frau von der Kasa"

Ein schon seit vielen Jahren sehr vertrautes Gesicht: Marianna Fanok, in letzter Zeit vor allem als die „Frau an der Kasa“ des Museums bekannt. Stolz ist die Bewohnerin von Kluki auf ihr renoviertes Wohnhaus – genau gegenüber dem alten Gasthof von Klucken. Doch, wer wohnte ursprünglich darin?


"Kaschubische Noten" sind der Renner

Kaschubische Noten sind gerade bei den Kindern der „Renner“ im Laden des Museums, wie Danuta Jaworska stolz berichtet. Sie selbst stammt aus Elblag (Elbing), verzog von Ostpreußen nach Pomorcze, also Pommern, wie sie weiter erzählt und gesteht unumwunden ein, selbst auch kein Kaschubisch zu können.


Alte Traditionen der Kluckener bewahrt...

Dominik und Adam Kobus bewahren sich alte Traditionen von Klucken: Nein, nicht deren schon legendäre Wilddieberei. Das hier präsentierte Geweih ist ein Abwurf und Fundgut. Doch nebenan im Garten wird der sandige Kluckener Boden so wie einst mit Torf vermengt. Gerade Pomodori (Tomaten) und Ogurki (Gurken) wissem dies zu schätzen...


Ein besinnlicher Tagesausklang...






Vor allem für die älteren Frauen und deren kleine Enkel gehört dies zum Ausklang des Tages - die Andacht und Besinnung vor dem Marienkreuz auf dem einstigen Grundstück von Hermann Schimanke, genannt "Tüssen-Hermann".